Kurzantwort: Bleirohre im Trinkwassernetz sind ein Gesundheitsrisiko und müssen ausgetauscht werden. In Potsdam sind vor allem Gebäude aus der Zeit vor 1973 betroffen. Wer unsicher ist, lässt das Trinkwasser analysieren und klärt mit dem Vermieter den Austausch.
Warum sind Bleirohre gefährlich?
Blei ist ein giftiges Schwermetall, das sich aus alten Rohren ins Trinkwasser löst. Besonders betroffen sind weiches, leicht saures Wasser sowie Wasser, das lange in den Rohren steht. Kinder, Schwangere und Säuglinge sind besonders empfindlich gegenüber Bleibelastungen. In der EU gilt seit 2013 ein strenger Grenzwert von 10 Mikrogramm pro Liter im Trinkwasser, der 2036 auf 5 Mikrogramm abgesenkt wird.
Gebäude in Potsdam mit Bleirohren
Bleirohre wurden in Deutschland bis etwa 1973 verlegt. Gebäude, die vor diesem Datum errichtet wurden, können noch Bleileitungen im Hausinstallationsbereich haben - also in den Leitungen zwischen Hauptrohr und Zapfstelle. In Potsdam trifft das auf viele Gründerzeit- und Vorkriegsgebäude zu, aber auch auf DDR-Altbauten der 1950er und 1960er Jahre.
Bleirohre erkennen
Optische Merkmale
- Blei ist silbergrau und sehr weich - mit einem Fingernagel lässt sich die Oberfläche leicht einritzen.
- Bleirohre sind biegsam und lassen sich mit der Hand biegen - im Gegensatz zu steifen Stahl- oder Kupferrohren.
- Sie haben oft eine stumpfe, leicht matte Oberfläche ohne Glanz.
Trinkwasseranalyse
Den sichersten Nachweis liefert eine Trinkwasseranalyse. Wasser direkt aus dem Hahn wird von einem akkreditierten Labor untersucht. Nehmen Sie das erste Wasser am Morgen (Stagnationsprobe), da sich dann am meisten Blei gelöst hat. In Potsdam bieten das städtische Umweltamt sowie zertifizierte Labore diese Analysen an.
Wer ist für den Austausch zuständig?
Bei Mietwohnungen ist der Vermieter oder Eigentümer für die Trinkwasserinstallation verantwortlich und muss bei Überschreitung des Grenzwerts handeln. Als Mieter haben Sie ein Recht auf Information über den Leitungszustand. Bei Eigentumswohnungen muss die Eigentümergemeinschaft die Gemeinschaftsleitungen sanieren.
Sanierungsoptionen
Rohraustausch
Die sicherste Lösung ist der vollständige Austausch der Bleileitungen gegen Kupfer- oder Kunststoffrohre. Das ist einmalig aufwendig, löst das Problem aber dauerhaft.
Grabenlose Sanierung
In manchen Fällen ist eine Innensanierung mit Epoxidharz möglich - das Blei wird versiegelt. Diese Methode ist umstritten und nicht für alle Rohrdurchmesser geeignet.
Wasserfilter
Ein zertifizierter Blei-Trinkwasserfilter kann vorübergehend schützen, ist aber keine dauerhafte Lösung und ersetzt nicht den Rohraustausch.
Sofortmaßnahmen bei Bleiverdacht
- Morgens das erste Wasser (ca. 2 bis 3 Liter) ablaufen lassen, bevor Sie es trinken.
- Kein abgestandenes Wasser zum Kochen für Babys oder Kleinkinder verwenden.
- Vermieter schriftlich informieren und Trinkwasseranalyse einfordern.